Prinzipien des Aikido

Morihei Ueshiba entwickelte Aikido aus seinen Fertigkeiten im Kampfsport und seinen persönlichen Erfahrungen. Seine Kampfkunst wandelte sich im Laufe der Zeit hin zu einer Betonung auf Einklang und Harmonie mit dem Gegner und seiner Angriffsenergie. So kam er über das Aiki Bu Jitsu zum Aikido.

Im Aikido war es Ueshiba so wichtig, Harmonie mit dem Gegner zu erlangen, dass man ihm folgenden Satz zuschreibt: „Wenn du angegriffen wirst, so schließe den Angreifer in dein Herz.“

Um diese Harmonie zu erreichen, müssen wir im Aikido zum frühestmöglichen Zeitpunkt die Bewegung des Aggressors antizipieren. Hierfür gibt es zwei Prinzipien: Irimi und Tenkan.

Irimi

Folgen wir bei der primären Aufnahme eines Angriffs dem Prinzip Irimi, so treten wir frühzeitig in die Bewegung Gegners ein. Wir geben unser Ki (Energie) in seine Phase des Kraft- und Spannungsaufbaus.

Jeder Angriff setzt voraus, dass der ausführende seine Mitte verlässt. Dies tut er zunächst im Geiste, in dem er die Aggression zulässt. Dann baut er körperlich Kraft und Spannung auf, um sie gegen uns zu lenken. Unterstützen wir den Gegner in der Phase der Energieaufnahme, so verstärken wir seine Disbalance und bringen ihn aus seinem physischen Gleichgewicht.

Wenden wir das Prinzip Irimi in der letzten Phase der Technik, dem Abwurf oder dem Ablegen an, so führen wir ihn durch unsere Energie in seine schwache Position. In der Prüfungsordnung des Deutschen Aikido Bundes wird die Ausführung der Technik durch eben diese Phase als Irimi oder Tenkan definiert. 

Tenkan

Folgen wir bei der primären Aufnahme des Angriffs dem Prinzip Tenkan, so weichen wir der Angriffsenergie aus und lassen den Aggressor ins Leere laufen. So verliert er sein Gleichgewicht und seine Attacke verpufft effektlos.

Führen wir die abschließende Phase der Technik in Tenkan aus, so lassen wir die Energie und Spannung des Gegners in eine für ihn schwache Richtung strömen ohne uns dagegen zu stellen. So fließt der Gegner förmlich mit seiner Energie zu Boden. Da hierfür noch Energie im der Position oder der Bewegung des Gegners stecken muss bietet sich für Techniken in Tenkan Ausführung an ein Irimi Eingangselement zu wählen.

Omote und Ura

Um Ki (Energie) zu übertragen oder der Angriffsenergie ausweichen zu können muss eine angemessene und an den Angriff angepasste Position zum Gegner eingenommen werden. So kommt es, dass wir wenn wir dem Prinzip Irimi folgen häufig Omote (innen, hinter dem Gegner) stehen um seine Bewegung durch unsere Energie zu unterstützen und zu führen.

Um dem Prinzip Tenkan zu folgen bietet sich häufig an Ura (außen, vor dem Gegner) zu stehen um seine Aggression und seine Energie frei und ohne Widerstand ins Leere führen zu können.